Der Onlinekatalog der Werke Adolph Menzels

Der Onlinekatalog der Werke Adolph Menzels wird mit der Arbeit der Adolph-Menzel-Gesellschaft Berlin e. V. unterstützt.

Das Werk Adolph Menzels vereint rund 15.000 Gemälde, Druckgraphiken und Zeichnungen, etwa 2000 Briefe und andere Schriftstücke kommen noch hinzu. Allein im Berliner Kupferstichkabinett gibt es 6.500 Zeichnungen und noch einmal 3.500 Zeichnungen in den Skizzenbüchern – woher stammen sie? Ab 1876 kamen schon zu Menzels Lebzeiten etwa 1.700 Blätter in die Zeichnungssammlung, die sich damals in der Berliner Nationalgalerie befand und heute zum Kupferstichkabinett gehört. Nur wenige Zeichnungen Menzels wurden von anderen Abteilungen der Königlichen Museen an die Zeichnungssammlung überwiesen, vielmehr wurden Blätter aus Privatbesitz oder aus dem Kunsthandel erworben. Drei Ankäufe seien herausgehoben: 1880 rund 170 Zeichnungen zum Krönungsbild über Menzels Kunsthändler Hermann Pächter; 1882 rund 115 Zeichnungen aus der Sammlung des Menzelfreundes Wilhelm Puhlmann über die Berliner Kunsthandlung Rudolph Lepke; 1889 rund 1340 Zeichnungen wiederum über Pächter. Der in Berlin ansässige Pächter trat sicher deshalb in Aktion, weil Menzel geschäftlichen Dingen, die seine Kunstwerke betrafen, angeblich distanziert gegenüberstand. 90 Prozent der damals vorhandenen Blätter stammten demnach eigentlich direkt vom Künstler, zu nennen sind darunter – außer den schon erwähnten Krönungsbild-Studien – das sogenannte Kinderalbum und die Fridericiana-Arbeiten als die Studien, die nicht nur zu den Friedrich-Gemälden, sondern auch zu den Illustrationen von Geschichte und Werken Friedrichs II. erarbeitet worden waren.(1)

Wohl schon gegen Ende der 1870er Jahre hatte Menzel mit den eigenen Zeichnungen eine Studiensammlung angelegt, die Atelier-Besuchern nur sehr selten zugänglich war. Akribisch archivierend hatte er rund 25 Mappen unterschiedlicher Größe mit seinen Blättern angefüllt und sie nach Themen sorgfältig sortiert – darunter waren besagte Fridericiana-Blätter in vier Mappen verteilt gewesen. Er notierte die gesamte Mappen-Ordnung zuletzt in einem Schreiben, das an seine Erben, die Schwester Emilie Krigar-Menzel und deren Kinder Otto und Margarethe, gerichtet war. Daraus entnimmt man auch, dass Menzel damals die Skizzenbücher in den Schubladen zweier Arbeitstische eingeschlossen hatte. Unbedingt wollte er verhindern, dass jemand beim Durchsehen der Zeichnungsmappen unbeaufsichtigt sei; vor allem jedoch sollte die von ihm angelegte Reihenfolge der Zeichnungen nicht zerstört werden.(2) Diese Anweisung des Künstlers ist allerdings mit der ab 1906 angelegten und bis 1992 kontinuierlich veränderten musealen Ordnung vollständig ignoriert worden, denn die ursprünglich von Menzel erdachte Systematik im Nachlass ist dadurch schlicht zerstört. Das Gros des heutigen Berliner Menzel-Bestandes wurde nach der Menzel-Gedächtnisausstellung 1905 von Menzels Schwester erworben; die Nationalgalerie konnte für sämtliche Menzel-Käufe über einen gigantisch anmutenden Menzelfonds von 1.450.000 Mark verfügen. 450.000 Mark davon wurden 1906 für die verbliebenen 21 Mappen mit rund 4.600 Zeichnungen ausgegeben. Als Schenkung kamen 73 Skizzenbücher dazu – 70 befinden sich heute tatsächlich im Berliner Bestand. Die nachfolgenden Erwerbungen bis 1945 und in den danach durch West- und Ostberlin getrennten Museumssammlungen bis heute umfassten noch rund 150 Blätter. Alles in allem jedoch bilden etwa 9.600 Zeichnungen aus Menzels eigenem Archiv den Hauptteil der Berliner Sammlung.(3)

Nimmt man nun all jene gezeichneten Blätter hinzu, die weltweit über Museen, Privatsammlungen oder Archive verstreut sind und bedenkt auch jene mit den Zeitläuften untergegangenen, erhöht sich die schiere Zahl Menzelscher Zeichnungen sicher noch erheblich. Darüber, dass Menzel gelegentlich streng selektierend mit den eigenen Werken umging, ist viel erzählt worden: Dass er beim Auszug aus einem Atelier ihm unnütz scheinende Zeichnungen dort zurückließ, dass er die vielen als nicht gelungenen erachteten Zeichnungen sofort zerriss oder dass er eine umfangreiche Mappe mit Zeichnungen der frühen Schaffensjahre, die der Bruder Richard liebevoll gesammelt hatte, nach dessen Tode vernichtete.(4)

In den Skizzenbüchern gibt es eine Menge von Fragmenten herausgetrennter, sichtbar bezeichneter Seiten, was beweist, dass einst viel mehr darin enthalten war – ursprünglich vorhanden waren einmal mindestens 77 solche Bändchen, von Menzel übrigens „Taschenzeichenbücher“(5) genannt. Viele der rund 1.000 Druckgraphiken Menzels stehen durch ihre technische Umsetzung den Zeichnungen sehr nahe.

Nulla dies sine linea – die Worte, die Plinius dem antiken Maler Apelles in den Mund legte, hatte sich angeblich auch Menzel zur Devise gemacht. Wie er tagaus, tagein zeichnete, wird mit dieser kaum überschaubaren Menge von Zeichnungen sichtbar, in den mit Bleistift, Kreiden oder Wasserfarben gezeichneten Skizzen, Studien und Bildern, in den Radierungen, Holzschnitten und Lithographien. Das haben Künstlerfreunde und jüngere Künstler über Menzel auch berichtet: Als Zeichner sei er immer unermüdlich, fast wahnhaft eifrig gewesen, ein Skizzenbuch hatte er stets in der Rocktasche zur Hand, kein Gegenstand war ihm zu gering für seinen zeichnerischen Zweck, so er zeichnete beinahe immer, wo er ging und stand. Menzel sprach sich sehr deutlich darüber aus: „Zeichnen – kann man noch wo fürs' Malen weder Zeit noch Platz ist. Und alles zeichnen ob für 'nen Zweck ob nicht.“(6)

 

 (1) Vgl. den Aktenbestand dazu in: Berlin, Staatliche Museen zu  Berlin, Zentralarchiv.            (2) Adolph Menzel, Notizen für meine Hinterbliebenen, in: Gisold  Lammel, Adolph  Menzel.Schriften und Aufzeichnungen,  Münster/Hamburg 1995, S. 74-76.                        (3) Wie Anmerkung (1).                                                                                            (4) Vgl. die entsprechenden Berichte in: Exzellenz lassen bitten.  Erinnerungen an  Adolph Menzel, hg. von Gisold Lammel, Leipzig  1992.                                                    (5) Wie Anmerkung (2), S. 74.                                                                                    (6) Adolph Menzel an Lucie Wolter-Sigora, 7. September 1891, in:  Josef Langl, Ein Brief  Adolph Menzels, in: Zeitschrift für  Realschulwesen, XXX. Jahrgang, Heft X, Wien 1905, S.  596.